Schauen Sie mit uns auf viele tolle Jahre zurück!
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1961 gründete der große Kärntner Theatermann Herbert Wochinz die Komödienspiele Porcia. Nach Wanderjahren in Wien und Paris, in denen er künstlerische Erfahrungen sammelte, wollte Wochinz in seine Heimat Kärnten zurückkehren. Mit Thomas Bernhard und der bekannten Bühnenbildnerin Annemarie Siller entdeckte er den Hof des Schlosses Porcia. Unterstützt von Michael Luptowits und dem Bürgermeister der Stadt Spittal an der Drau, Hans Schober, gelang es ihm, eines der heute renommiertesten Festivals Österreichs zu gründen. Er holte seinen Freund
H. C. Artmann als Dramaturgen, Übersetzer und Autor nach Porcia und prägte mit ihm den ganz speziellen Porcia-Stil.
Am 15. Juli 1969 war im Arkadenhof des Schlosses Porcia wieder die erste Premiere zu sehen. Es war dies „Der Wirrkopf“ von Molière. Der Übersetzer Hans Weigel war neben der Prominenz des Landes Kärnten und der Stadt Spittal dabei und würdigte die Aufführung mit begeisterten Worten.
Am 25. Juli füllte sich der Hof für die zweite Premiere, Calderon de la Barcas „Madame Kobold“. […] Fernsehaufzeichnungen gab es von „Dame Cobold“ und „Der tolle Tag“ zu sehen.
(Gudrun Habenicht in ihrer Hausarbeit "Die Spittaler Komödienspiele", 1977)
Der bereits ein Jahr zuvor ins Ensemble gekommene Felix Dvorak spielt in der Erstaufführung von DIE REISE DES HERRN PERRICHON die Titelrolle.
Alexander Grill und Peter Pikl: Zwei Publikumslieblinge, die immer wieder für Lachstürme gut sind. Und Lachen, leichtes Lachen an einem Sommerabend, Lachen-machen heißt das Erfolgsrezept des Ensembles.
( Programmheft Ensemble Porcia 1986)
Die Laudatio des französischen Kulturattachés Prof. Dr. Robert Kalbach samt Verleihung des höchsten französischen Kulturordens folgt im Sommer 1983 im Schloss Porcia. Einen Ausschnitt daraus lesen sie hier:
Sehr geehrter Herr Landeshauptmann,
Exzellenz, meine sehr verehrten Damen und Herren!
Wir feiern heute die Leidenschaft, die Liebe, die Ausdauer und den Erfolg des Ensembles Porcia über viele Jahre. Alle Mitarbeiter dieser außerordentlichen Theatergruppe […] verdienen diesen fantastischen europäischen Erfolg. […]
Vor allem scheint mir der Humanismus von Herbert Wochinz der Hauptgrund zum Erfolg zu sein. Wir wissen, daß dieser ungewöhnliche Mann die Idee vertritt, daß alle europäischen Länder im Laufe ihrer langen Geschichte eine gemeinsame Kultur geschaffen haben, daß diese Kultur unser gemeinsames Erbe ist und daß wir diese gemeinsame europäische Kultur besser kennen sollten. Seine Grundidee ist, daß es keine engbegrenzte nationale Literatur gibt, sondern nur eine allgemeine, die, wie Schiller sagt, allen Menschen der Welt gehört. Nach diesem Prinzip stellte sich Wochinz die Aufgabe, die Weltliteratur des Theaters den Menschen seines Landes besser bekannt zu machen. Seine Menschlichkeit, sein Talent als Regisseur, sein Elan als Leiter des Ensembles Porcia sind die Komponenten, die ihn auf dem rechten Weg begleiten.
Leute wie Wochinz existieren nicht allein und können nicht allein existieren. Sein Ziel ist zu hoch und verlangt daher sehr viel Energie. Daher brauchten Wochinz und seine Künstler wahre Freunde, um zu überleben. Besonders möchte ich aber heute die bedeutende Rolle eines seiner engsten Mitarbeiter hervorheben, und zwar ist dies das Wirken von H.C. Artmann. […] Dank H.C. Artmann werden alle europäischen Sprachbarrieren überwunden. […] Die Freude und das Erlebnis auf Schlo´Porcia verdanken wir auch H.C. Artmann. Wenn also Erfolg, hervorgerufen durch jahrelange Mühe und Arbeit, eine Künstlergruppe begleitet, ist es ihr Anrecht, öffentlich und offiziell geehrt zu werden. […] Über ein Vierteljahrhundert ist nun Herbert Wochinz Botschafter der französischen Literatur und des französischen Theater. Eine offizielle Anerkennung hat lange Zeit auf sich warten lassen. Aber gut Ding braucht Weile. Heute endlich wird Wochinz und sein Mitarbeiterteam geehrt. […]
Im Namen des Präsidenten der französischen Republik, François Mitterrand, im Namen des Kulturminister, Monsieur Jacques Lang und als bevollmächtigter Gesandter des Herrn Botschafters, Exzellenz Jean Audibert ernenne ich Sie, Herbert Wochinz, zum „Officier des Arts et Lettres“, zum Offizier des französischen Kulturordens der Künste und Belletristik. Ich gratuliere!
KULTURATTACHÉ PROF. DR. ROBERT KALBACH
(Herbert Wochinz - Vom Endspiel zum Theater der Freude, S. 164-165.)
„Mit uneingeschränkter Kraft zieht das Wahrzeichen der Komödienspiele, der „Pulcinella“, jährlich Tausende Besucher nach Spittal in den Arkadenhof des Schlosses Porcia. Wenn Siegfried Melchinger 1963 das Theater als „eine mit Lust betriebene Unterhaltung deisseits der Rampe“ bezeichnete, so trifft die für Spittal in vollem Ausmaß zu. Spontaneität, Lust, Laune und Spaß, schließlich die konstituierende Kraft der Komik sind wesentliche Komponenten in den wechselnden Schattierungen von Ironie und Heiterkeit – verdichtet in einem Porcia-Abend.
Möge „Pulcinella“ nicht nur Symbol der Komödienspiele sein, sondern auch Auftrag; der Neapolitaner deckte die Scheinheiligkeit seiner Zeitgenossen und die Schwächen der Menschen schonungslos auf. Die letzten zwei Dezennien beweisen, daß gerade diese Sparte des Theaters auf anscheinend nie versiegende Quellen stößt.“
LEOPOLD WAGNER
– LANDESHAUPTMANN VON KÄRNTEN UND LANDESKULTURREFERENT
(Vorwort zum Programmheft der Komödienspiele 1983)
H.C. Artmann und Prof. Herbert Wochinz: Der zweieinige Geist der Komödienspiele, das kongeniale Duo zweier hochdekorierter Kultur-Würdenträger verdienstvoll um das leichte, aber kultivierte Lachen im Hof des Schlosses Porcia.
( Programmheft Ensemble Porcia, 1986)
Die Süddeutsche Zeitung definiert das kongeniale Duo folgendermaßen:
In der Rolle des Benjamin Mandelstam (DIE HOSE von Sternheim) war Peter Ertelt zum letzten Mal auf der Bühne im Schloss Porcia zu sehen. Er war seit 1961, also von Beginn an, Ensemblemitglied und galt als herausragender Nestroydarsteller. Er starb 1990.
Zum 200. Jubiläum der Französischen Revolution wird auch im Schloss Porcia wieder französische Komödie gespielt – und das mit großer Freude.
Doch so langsam machen sich auch Stimmen bemerkbar, die den Komödienspielen ein Abdriften in den Klamauk vorwerfen. Vielleicht die ersten Anzeichen des Verschleißes nach 29. Spielzeiten?
Er bringt große Schauspieler wie Klaus und Nicholas Ofczarek mit nach Porcia, spielt unbekanntere ungarische Autoren wie Antal Szerb und setzt zunehmend auf Bühnenmusik. Sein Name wird wahlweise – gerade in den frühen Jahren – auch Ferkai geschrieben.
Mit einem neuen Intendanten kommen nicht nur neue Schauspieler und neue Stücke auf den Spielplan, sondern z.B. auch ein neuer Bühnenbildner: Bernd Dieter-Müller schafft in der Intendanz von Peter Pikl viele sehr verschiedene und wunderschöne Bühnenbilder, die das Schloss und seine Bühne wieder einmal ganz anders wirken lassen.
Für alle, die einen kleinen lustigen Einblick gewinnen wollen:
HIER geht's zum Trailer!
In diesem Jahr stehen ausschließlich Stücke des 20. und 21. Jahrhunderts auf dem Spielplan. Unter anderem inszeniert der ehemalige Intendant des Salzburger Landestheaters, Lutz Hochstraate, die Urauffühung der Korruptionskomödie AUSGESPIELT von René Freund.
Vorstellung der Spielzeit 2008 im STANDARD: MEHR ERFAHREN
Zum Jubiläum werden erstmals Produktionen aus dem Schloss ausgelagert und an ungewöhnlichen Orten gespielt: auf einem ausgelassenen Industriegelände, in der Unterführung des Bahnhofs, …
Der ORF Berichtet über das Programm zur 50. Spielzeit: MEHR ERFAHREN
Außerdem kommen Weggefährten zu Wort:
Ein Jubiläum ist auch immer ein guter Punkt um zurückzublicken und sich bei den Menschen zu bedanken, die die Komödienspiele zu dem machen was sie sind. Dazu gehören oftmals auch die Menschen hinter der Bühne: Eine dieser sehr wichtigen Personen ist „unsere Gerti“ – Gerti Haberl-Maschessnig fertigt seit 1991 die Kostüme der Komödienspiele. Ohne sie wäre ein Sommer undenkbar! Von Herzen danken wir dieser tollen Frau für ihre unermüdliche Arbeit!!! Danke Gerti!
Er war ganz Theatermensch, Intendant, Regisseur, Freund, Wegbereiter, Völkerverständiger, Vordenker, …
Wir verneigen uns tief vor dem Lebenswerk dieses Mannes und wollen seine Idee des Komödiespielens noch lange lebendig halten!
Vier Grobiane sind die vier venezianischen Herren, die ihre Familien schikanieren und ihnen jegliches Vergnügen verbieten. Als es den Frauen zu arg wird, lehnen sie sich mit List und vereinter Frauenpower gegen die tyrannischen Männer auf. Sie treten in einem temperamentvollen Kampf der Geschlechter gegen die Strenge und Engstirnigkeit der „Herren im Haus" an. Mit der Zeit geraten die Prinzipien der sturen Haustyrannen ganz schön ins Wanken. – Eine Komödie über ein zeitloses Thema: Toleranz und gegenseitiger Respekt in einer Partnerschaft.
Zwei junge Männer haben kein Geld, keinen Job, keine Perspektive. Reich zu heiraten halten beide für die ideale Lösung ihrer Probleme. Bis die „Strategen der Liebe“ in den Hafen der Ehe einlaufen, gilt es bei den Komödienspielen Porcia jedoch einige Abenteuer zu bestehen…
Hochgeschätztes Publikum,
es ist heuer zum letzten Mal, dass ich Sie an dieser Stelle als Intendant begrüße. Höchste Zeit, Ihnen für die vielen Jahre zu danken, in denen Ihr Interesse und Ihre Treue ganz wesentlich den Erfolg unserer Komödienspiele ausmachten. Dieser Gedanke spornt uns besonders an, Ihnen in diesem Jahr wieder Meisterwerke der Komödienliteratur anzubieten.
(Peter Pikl im Programmheft 2014)
Willkommen, liebes Publikum!
Spoštovano občinstvo, dragi prijatelji!
Ensemble Porcia: Der Name, den Herbert Wochinz vor 55 Jahren diesem Theater gab, heißt aus dem Französischen übersetzt: Miteinander Porcia!
Wir beginnen unsere Spielsaison 2015 mit französischer Komödie, denn die Franzosen sind die Meister der feinen Ironie, des beißenden Spottes, der augenzwinkernden Poesie!
Mögen Sie viel Plaisir haben! – ein Wort, das sich kaum genau übersetzen lässt und alle Formen dessen einschließt, was sich in wunderbarer Weise für uns alle hier erfüllen möge: Haben Sie Vergnügen, Wonne, Freude, Unterhaltung, Belustigung, Lustbarkeit!
Ihre Angelica Ladurner
(Auszug aus Ladurners Vorwort im Vorschauheft 2015)
DAS HOBELLIED
Da streiten sich die Leut herum
Oft um den Wert des Glücks,
Der eine heißt den andern dumm,
Am End weiß keiner nix.
Da ist der allerärmste Mann
Der andre viel zu reich.
Das Schicksal setzt den Hobel an
Und hobelt s’ beide gleich.
Die Jugend will halt stets mit Gwalt
In allen glücklich sein,
Doch wird man nur ein bissel alt,
Da find man sich schon drein.
Oft zankt mein Weib mit mir, o Graus!
Das bringt mich nicht in Wut.
Da klopf ich meinen Hobel aus
Und denk, du brummst mir gut.
Zeigt sich der Tod einst mit Verlaub
Und zupft mich: Brüderl, kumm!
Da stell ich mich im Anfang taub
Und schau mich gar nicht um.
Doch sagt er: Lieber Valentin! Mach keine Umständ! Geh!
Da leg ich meinen Hobel hin Und sag der Welt Adje.
(Valentin in Ferdinand Raimunds DER VERSCHWENDER von 1834)
Sein welteinmaliger, wiegender, auf die Seiten ausschwingender Gang und sein Lachen, seine unvergessliche klingende Stimme und der verschmitzte Blick – wenn man an Peter Pikl denkt, hat man das Bild des Prototypen eines Komödianten vor sich. Und wie ein wahrer Komödiant hatte auch er im sogenannten ernsten Fach seine besonderen Stärken.
Sein großes Verdienst für die Komödienspiele ist, dass er einerseits den Wochinzschen Gedanken der „Ensemble-Pflege“ – ein heute ausgestorbener Begriff und ein verschwundenes Gut – geradezu noch verstärkt hat und andererseits, dass er den Spielplan durch viele ungewöhnliche Autoren erweitert hat. „Der Wald“ von Ostrowski ebenso wie Shaws „Helden“ seien als kleine Beispiele genannt.
(Angelica Ladurner)
„Gegen Talent ist man machtlos“ – war einer seiner Lieblingssprüche, mit dem er durchaus sich selbst meinte. Aber er verteilte diese Auszeichnung durchaus auch an andere, denn er hatte immer großen Respekt vor wirklichem Können und daher in unserem Metier vor guten Schauspielern.
Wir werden ihn immer in ehrender Erinnerung behalten und uns gegenseitig seine Bonmots und Anekdoten über ihn weiter und weiter erzählen.
Die Frage was Werner Schneyder mit den Komödienspielen verband, beantwortete er selbst in dem Film "Ein Sommer in Porcia" von Ensemblemitglied Alexandra Krismer im Jahr 2010. Seine Antwort finden Sie hier:
Aufgrund der Corona-Pandemie muss die geplante Jubiläumsspielzeit 2020 abgesagt werden. Alle geplanten Veranstaltungen verschoben sich in die kommende Saison 2021.
Angelica Ladurner entscheidet, dass sie ihre Intendanz bei den Komödienspielen nach 2024 nicht verlängern möchte. Die Position der Festival-Intendanz wird daher 2023 öffentlich ausgeschrieben. In einem dreistufigen Hearing-Prozess wird Florian Eisner als Nachfolger bestimmt. Im Herbst 2024 übernimmt er mit einem neuen Team die Leitung der Komödienspiele. Angelica Ladurner zeichnet weiterhin als Prinzipalin für den Theaterwagen Porcia verantwortlich. Die Komödienspiele Porcia und der Theaterwagen Porcia werden organisatorisch und budgetär voneinander getrennt als zwei Institutionen weitergeführt, bilden aber im Außenauftritt und im Selbstverständnis nach wie vor gemeinsam das Ensemble Porcia.